Außer, dass ich auf dem Hinflug zwischen zwei ziemlich kompakten Herren sitzen durfte, lief bei dieser Reise alles glatt.

Eingeladen hatte die US-Iranerin, die bereits mit Mirko den Teheran-Park-Marathon im letzten Mai veranstaltet hatte. Im September kündigte sie eine Marathonreise mit den Stationen China, Macau, Taiwan, Brunei und Malaysia an. Sehr gut vorbereitet, mit Flugdaten und Hotels, die sich anbieten würden. Da wir China bereits hatten, meldete ich unser Interesse für Macau, Brunei und Malaysia an. Denn in Taiwan hatten wir uns bei dem Taichung-Marathon im November angemeldet. Da wollte ich noch abwarten, ob wir den erfolgreich bestehen. So konnten also erstmal nur die Flüge hin und zurück gebucht werden. Nicht die zwischen den einzelnen Stationen. Visa braucht man als Deutscher nicht zu beantragen, nur 3 Tage vorher die Einreise online anmelden. Das war bei dieser Reise ausnahmsweise mal kein Thema. Ebenso wenig Impfungen.

Nachdem wir Taiwan Ende letzten Jahres erfolgreich absolviert hatten, konnte es also an die Feinplanung der Transitflüge und Hotelbuchungen gehen. Dazu stimmte ich mich mit Thomas ab, der in Macau und Brunei ebenfalls gemeldet hatte.

Nun stand die Reise vor der Tür. Aus der Erfahrung des letzten Flugs mit Turkish Airlines, als uns am Schalter tolle Plätze mit Beinfreiheit kostenlos angeboten wurden, machten wir diesmal keinen Online-Check In vorher, in der Hoffnung wieder solch ein Angebot zu bekommen.
Pustekuchen: als wir den Koffer aufgaben, sagte der Flughafenmitarbeiter, dass es für den Flug von Istanbul nach Hong Kong nur noch 2 freie Plätze gäbe, und die wären hintereinander, beide in der Mitte. Die nahmen wir logischerweise, denn besser diese als keine. Der Tipp, in Istanbul nochmal am Schalter zu fragen, brachte keine Besserung. Ausgebucht, blieb ausgebucht. So saß ich als 10 Stunden mit angelegten Armen zwischen den bereits genannten Herren und verbrachte einen „äußerst beengten“ Nachtflug.

Dafür lief es bei der Ankunft in Hong Kong reibungslos, denn wir fanden einen Minibus, der uns über die 52 Kilometer lange Brücke nach Macau brachte. So brauchten wir nur noch ein Taxi zum Hotel in Macau, das an einer Bucht am Südchinesischen Meer liegt. Das Hotel war prima und wir erholten uns von der Reise. Beim Frühstück am nächsten Morgen trafen wir den Finnen Peter und Anton aus Österreich, beides Ländersammler wie wir, die für die nächsten Tage unsere Reisekollegen sein würden. Gemeinsam fuhren wir zur Startbesprechung ins Stadtzentrum, denn der Lauf sollte im Casino-Viertel stattfinden. Dort gab es herzliche Begrüßungen mit den bekannten Läufern (aus USA; Iran und Dänemark) und neue Freundschaften wurden geschlossen. Nach der Besprechung kauften wir unsere Getränke für den Lauf ein, der am späten Abend starten sollte. Im Hotel warteten wir auf Thomas und nach seiner Ankunft gings per Taxi zum Start. Wir stellten unsere Flaschen in der Hotellobby ab, wo die Freundin vom dänischen Lauffreund Klaus darüber wachte und die Runden zählte. Gemeinsam marschierten wir durch das nächtliche Macau. Anfangs trafen wir noch Konzertbesucher, die aus einer Arena zu den Bussen und UBER-Taxis strömten. Später waren nur noch unsere Mitläufer und ein paar streunende Hunde unterwegs. Zwischendurch hörte ich per Internet-Radio noch die Endphase vom HSV-Spiel, denn in Deutschland war es erst nachmittags. Da überall Kameras hingen, bevorzugten wir die Hotel-WCs, um kein öffentliches Ärgernis zu erregen. Außerdem begeisterte fließend Wasser, Seifenspender und Papierhandtücher, den erprobten Teilnehmer an DIY-Marathons. Als wir nach 21 Runden fertig waren, bekamen wir von der Veranstalterin unsere Medaillen und fuhren frühmorgens – und ziemlich übernächtigt - zurück ins Hotel. Wir konnten ausschlafen, während Thomas und die anderen bereits auf dem Sprung zur Weiterreise nach Taiwan waren. Abends aßen wir in einem Strandrestaurant Hummer und packten dann unsere Koffer, weil wir am nächsten Tag nach Brunei fliegen sollten. Den Kontakt zur Heimat, denn dort sollte ja laut Wettervorhersage eine Schneekatastrophe über Schleswig-Holstein einbrechen, hielten wir per Außenkamera (Schneelage!), Whatsapp, Schleswig-Holstein-Magazin in der ARD-Mediathek und der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatts. Die Weiterreise startete mit dem Hotelshuttlebus zum Ausreiseterminal in Macau und von dort mit dem Flughafenbus nach Hong Kong Flughafen. Von dem Fahrpreis bekamen wir in Hong Kong sogar noch 2/3 zurückgezahlt, weil es sich um eine erstattbare Flughafengebühr handelt. Wir stellten erfreut fest, dass sich die Strapazen und der Stress, um von Hong Kong nach Macau und zurück zu kommen, seit unserer Reise im März 2024 gewaltig reduziert hatten.

Mit Royal Brunei flogen wir weiter ins Sultanat Brunei: ein sehr angenehmer Flug mit sehr entspanntem Personal und Mitreisenden. Am Flughafen von Bandar Seri Begawan hatten wir ausreichend Zeit, wechselten Hong Kong Dollar in Brunei Dollar, erwarben eine örtliche SIM-Karte und suchten bereits die ersten Souvenirs aus. Mit dem Taxi erreichten wir unser Hotel und der Fahrer empfahl uns einige Sehenswürdigkeiten. Vom Hotel liefen wir knapp 15 Minuten zum Ufer und aßen Abendbrot, versorgten uns mit Getränken und genossen den nächtlichen Blick auf das Water Village. Ein komplett auf Betonpfählen errichteter Stadtteil für ca. 10.000 Bewohner, mit eigenen Schulen, Stromversorgung, Wasserrohren, Feuerwehr, Polizei und Moschee. Das war neu für uns. Das ist Südostasien!

Am nächsten Tag besichtigten wir die Stadt bei Tageslicht , fuhren mit dem Boot durch die Wasserstadt und trauten uns sogar über einen Holzsteg zu einem Spaziergang dorthin. Der war ehrlichweise aber frisch renoviert und die Holzbalken machten einen äußerst vertrauenswürdigen Eindruck. Als wir die alten Balken erreichten, machten wir Fotos und traten vorsichtshalber den Rückweg an. Zurück auf festem Boden sahen wir an der Uferpromenade einige Läufer: es sollte die Strecke sein, auf der wir am Folgetag ebenfalls unterwegs sein würden. Abends reisten die Laufkollegen aus Taiwan an, so dass wir mit Thomas abends Essen gingen. Es regnete mehrfach, teilweise sogar Starkregen, so dass wir uns Regenschirme kauften. Am nächsten Tag fand nachmittags die Startbesprechung statt und wir gingen gemeinsam zum Start, ausgestattet mit Getränken und eben den genannten Regenschirmen. Die Strecke führte an der kompletten Promenade entlang. Die erste Runde liefen wir in der Abendsonne, die zweite dann im Starkregen, zum Glück ohne Gewitter. Das Wasser stand auf den Gehwegplatten, so dass es manchmal sehr rutschig wurde. Als der Regen aufhörte kamen die lokalen Läufer und drehten ihre Trainingskilometer. Auch liefen wir an einem Parkplatz entlang, auf dem die Bewohner der Wasserstadt ihre PKWs abstellen, wenn sie mit dem Boot in ihre Häuser fahren. Nach sechs Runden und mit einem weiteren Regenschauer war ich fertig und ging ins Hotel. Doris hatte noch etwas länger zu laufen und spulte die letzten Kilometer gemeinsam mit Thomas ab, teilweise durch die Schirme gegen den Regen geschützt.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Thomas, der die Heimreise antritt. Wir fliegen nach einer Moscheebesichtigung weiter nach Kota Kinabalu, einer malaysischen Stadt, ebenfalls auf der Insel Borneo gelegen. Unser Hotel liegt direkt an der Uferstraße, gegenüber vom Veranstaltungshotel. Abendessen gabs beim großen M. Am nächsten Morgen besichtigten wir die Promenade und trafen unsere Mitläufer zum Startbriefing. Danach ging’s direkt auf die Laufstrecke und wir absolvierten die erste Runde gemeinsam zur Streckenbesichtigung. Da der Rückweg nun bekannt war, liefen jetzt alle ihr eigenes Tempo. In der Hotellobby stand wieder die Eigenverpflegung und der Ehemann einer Mitläuferin zählte die Runden. Der angekündigte Dauerregen blieb zum Glück aus, aber es war recht warm und schwül. Auch hier waren wieder viele einheimische Läufer auf der Strecke unterwegs, die oft freundlich grüßten, manchmal sogar fragten, was wir denn hier laufen. Durch große Kantensteine waren Fuß- und Radweg bestens von der Fahrbahn der Autos getrennt, so dass wir weder mit fahrenden noch parkenden Kraftfahrzeugen zu tun hatten. Über uns flogen zig Flugzeuge, die im Landeanflug auf den städtischen Flughafen waren. In der letzten Runde setzte ich dann die Stirnlampe auf, um nicht noch auf den letzten Kilometern auf Blättern oder anderen Hindernissen auszurutschen. Nach meinem Finish ging ich in unser Hotel und zog mir trockene Sportsachen an. Anschließend kaufte ich kalte Getränke, damit Doris auch auf ihren letzten Runden noch ausreichend Erfrischungen hatte. Sie lief die gesamte Strecke mit einer US-Vietnamesin. Ich saß derweil in der Lobby und erklärte ihrem Ehemann, wie der Countrymarathonclub funktioniert und wie man sich dort anmeldet.

Am nächsten Morgen schauten wir uns eine Folklore-Show an. Danach fuhren wir zum Flughafen, gaben neben unserem Koffer auch den in Folie eingewickelten Regenschirm auf, der uns so gute Dienste geleistet hatte. Über Kuala Lumpur und Istanbul flogen wir gen Heimat, diesmal bei allen Flugabschnitten nebeneinander sitzend und auf dem langen Flug sogar mit viel Beinfreiheit. Das war der Bericht von Doris‘ Länderpunkten 105, 106 und 107 und Marios Nrn. 110, 111 sowie 112.