Guinea Bissau to Guinea
Unsere nigerianische Lauffreundin Dayo hatte die Idee, dass eine gemeinsame Medaille für die 4 Guineas: Guinea, Guinea-Bissau, Äquatorial-Guinea und Neu-Guinea eine coole Idee wäre. Darum hatte sie zum G2G (Guinea-Bissau und Guinea) aufgerufen. Wir folgten ihrem Ruf, wie noch 12 weitere Läufer und Läuferinnen. Da wir für Bissau eine Einladung benötigten, hat sie uns mit ihrem Kontakt zur örtlichen Tourismusbüro geholfen, so dass wir mit diesen Schreiben ausgestattet, die Reise antreten konnten. Das erste große Hallo gab es bereits in Lissabon, wo sich bereits 8 Läufer auf dem Flughafen trafen, um mit der portugiesischen TAP nach Bissau weiterzufliegen. Denn Guinea-Bissau war bis in die 60er Jahre eine Kolonie Portugals. In Bissau angekommen, holte uns Dayo mit einem Kleinbus ab und wir fuhren in das sehr zentral im Regierungsviertel gelegene Hotel. Da es schon später Abend war, rannten Thomas und ich sofort zum Supermarkt, um Getränke für den morgen früh angesetzten Lauf einzukaufen. Doris checkte derweil im Hotel ein und lauschte der Startbesprechung. Dort traf sie auf die restlichen Teilnehmer und Dayos Ehemann Gary, der bei der Reise und den Läufen unterstützte.
Perfekt durch Dayo vorbereitet, bekamen wir schon um 4 Uhr Hotelfrühstück. Danach stellten wir unsere Verpflegung und Kleidertaschen (mit Stirnlampen, Sonnenbrillen, Laufkappen, etc) auf den Tisch auf den breiten Promenadenbürgersteig (gepflastert!) direkt vor dem Hoteleingang ab. Dann liefen wir 20 Meter zum Heldenplatz, an dem wir nach den obligatorischen Fotos starten. Zuerst liefen wir 6 Runden am Hotel auf und ab und danach – als die Dämmerung langsam einsetzte – in Richtung Industriehafen. Ebenfalls 6 Runden als Begegnungsstrecke. Dadurch sah man die Mitläufer und konnten sich gegenseitig motivieren, denn zum späten Vormittag kratzte das Thermometer bereits an der 30°C-Marke. Und da waren noch lange nicht alle fertig. Dayo hatte die Streckenposten sehr gut eingewiesen, denn an allen relevanten Abzweigern stand jemand und zeigte den Weg an. Außerdem waren die Verpflegungsstände bis zum Ende besetzt und es wurden Wasser und Bananen gereicht.
Als ich fertig war (inzwischen war das zu Beginn leere Hafenbecken (Ebbe) voll Wasser gelaufen), zog ich trockene Kleidung im Zimmer an – und feuerte von unserem Balkon im 4. Stock die Läufer an. Danach begleitete ich Doris auf ihrer letzten Runde, machte weitere Fotos und verteilte Naschis an die Kinder.
Abends gingen wir gemeinsam Essen (der Fisch war ganz frisch und sehr lecker) und am nächsten Tag war Ruhetag, den wir nach einem Marktbesuch am Hotelpool ausklingen ließen.
Dienstag war Reisetag, um von Bissau über Dakar nach Conakry zu fliegen. Der eh schon 5 stündige Aufenthalt verlängerte sich noch, weil die Fluggesellschaft einen Flug gestrichen hatte, so dass wir nicht nachmittags sondern erst abends flogen. So kamen wir erst im Dunkeln an und wurde zum Glück vom Hotelbus abgeholt, denn vor dem Flughafen in Guinea herrschte ein buntes Treiben (um es diplomatisch auszudrücken). Das Hotel war ebenfalls sehr gut ausgewählt von Dayo und hatte ein reichhaltiges Frühstücksbüffet. Danach kaufte ich eine SIM-Karte an einem Kiosk. Leider funktionierte das Netz des Anbieters (landesweit!) nicht, so dass bis zu 4 Einheimische versuchten, mein Telefon online zu bringen. Klappte erst mit einer SIM-Karte vom Wettbewerber, die Dayo dem Hotel rausgeleiert hatte, denn da ging das WiFi auch nicht.
Danach kauften wir mit Thomas Getränke für den morgigen Lauf und sahen am trockenliegenden Ufer, wie Jugendliche große Muscheln von Steinen sammelten. Am Lauftag gabs fertige Sandwiches vom Hotel, allerdings mit Hühnerpaste: bekanntlich nichts für mich. Also griff ich zu Plan B, den am Vortag gekauften Baguette-Brötchen mit Marmelade und Bananen aus dem eigenen Vorrat. Getreu der Devise: Haben ist besser als Brauchen … und diesmal habe ich gebraucht! Dann mit dem Tourbus in den Park des Botanischen Garten, wo es 40 Runden zu absolvieren gab. Zuerst im Dunkeln (Stirnlampe gern genommen) bei angenehmen 25°C, später bei Tageslicht und dann auch schon 31°C. Es war staubig, es war warm. Dafür war das Vogelgezwitscher herrlich und die Bäume erinnerten stark an einen Urwald. Nach meinem Finish erholte ich mich kurz und machte dann Tempo für Doris, da durch die an die Umgebung angepasste Startzeit schmolz unser Zeitvorrat, den wir nach dem Zieleinlauf bis zur Abfahrt zum Flughafen hatten. 15 min vor Doris ins Ziel kommen würde, sagte ich also dem örtlichen Supporter Bescheid, dass wir gleich das Taxi bräuchten. So konnte Doris nicht großartig jubeln, sondern wir nahmen nur unsere Taschen, sprangen ins Taxi (das stau-bedingt auch nicht so gut durchkam), fuhren zum Hotel, nahmen eine Blitzdusche (zum Glück lief das Wasser), packten die nassen Laufklamotten in die Rucksäcke und ließen uns zum Flughafen bringen. Da hatten wir dann wieder Luft, denn es gab keine Menschenaufläufe am Schalter, der Ausreise oder der Sicherheitskontrolle. Aber das weiß man ja nicht vorher. Pünktlich gings mit Royal Air Maroc über Casablanca nach Brüssel und dann mit den Belgiern nach Hamburg. Hier empfingen uns Minusgrade und Eisberge auf der Elbe.
Das ist die Geschichte von Doris‘ Länderpunkten 108+109 und Marios Ländern 113+114.
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