160 km für ein Softeis - Ein etwas anderer Bericht ... von Annette Wieland und Uwe Wingerning:

Der 4Daagse Nijmegen, der weltweit größte Distanzmarsch, stand mal wieder auf dem Eventplan. Dieser findet seit 1909 regelmäßig an vier aufeinanderfolgenden Tagen ab dem 3. Dienstag im Juli statt.

  • 1909 starteten 300 Teilnehmer
  • 1911 nahm die erste Frau teil
  • 1928 wurden die ersten ausländischen Gruppen zugelassen
  • 1954 starteten erstmals mehr als 10.000 Teilnehmer 
  • aus Anlass des 100. 4Daagse waren 2016 einmalig 50.000 Starter zugelassen 
  • Die Distanzen staffeln sich nach Alter und Geschlecht von 4x 30 km über 4x 40 km bis zu 4x 50 km
  • täglich stehen ca. 1,6 Millionen Menschen als Zuschauer an der Strecke!

In diesem Jahr (2026) waren in der ersten Welle fast alle 47.000 Tickets verkauft worden. Teilnehmer aus 77 Nationen stellten sich der Herausforderung. Insgesamt erreichten 42.137 Marschierer das Ziel innerhalb der vorgeschriebenen Zeit.

Nun zu uns, Annette und Uwe.

Wir sind beide Mitglieder des 100MC und haben wiederholt den 4Daagse gemeinsam gefinisht. Während wir uns in den Vorjahren immer der Distanz von 4x 50 km gestellt haben, musste im vergangenen Jahr leider die Teilnahme aufgrund einer ernsthaften Erkrankung von Uwe gecancelt werden.

"Nur" Zuschauen kam nicht infrage und stand auch nie zur Diskussion. Also wurde trainiert. Step by step, kleine Schritte. Anfangs war ich bereits nach 600 Metern mit dem Rollator am Ende meiner Kräfte, Annette jedoch stolz auf diese Leistung. Und es ging weiter, immer weiter. Den Wald (Höhenmeter!) als Trainingsgebiet direkt vor der Haustür, der Salzgitter-See (flach!) nicht weit entfernt. Die Strecken wurden an die körperliche Verfassung angepasst, unter ärztlicher Beobachtung wurden engmaschig die Blutwerte kontrolliert. Alles wurde besser, nach ein paar Monaten, verbunden mit unzähligen Klinikaufenthalten, war schon wieder die Kraft für kürzere Wanderungen da. An Energie und Willenskraft hat es nie gemangelt!

Unser Credo war (und ist):

Man darf alles verlieren, nur nicht die Hoffnung, den Humor und die Kontrollkarte beim 4Daagse!

Der 4Daagse waren unser erklärtes Ziel, auf ärztlichen Rat wurde diesmal die 4x 40 km-Distanz gewählt. Das gibt zwar keinen Zähler in der Marathonstatistik, aber ich war wieder da!

Am ersten Tag, dem "Tag von Elst", auch bekannt als "Blauer Dienstag", lief es gut für uns. Wir starteten morgens um fünf Uhr, hatten somit zwölf Stunden Zeit, das Ziel zu erreichen. Das Wetter war perfekt, die Temperaturen aus den Vorjahren wurden nicht annähernd erreicht. Somit konnten wir uns die Strecke einteilen und unsere Pace gehen, die Pausen nehmen, wie wir sie brauchten. Das Ziel erreichten wir am ersten Tag bereits nach gut zehn Stunden, was angesichts meiner schweren Erkrankung ein sehr gutes Ergebnis war.

Der "Tag von Wijchen" läuft unter dem Motto "Pink Wednesday". Heute war es kühler als am Vortag, wir mussten aufgrund von kurzen, aber heftigen Regengüssen insgesamt 3x unseren Poncho anziehen. Unser System mit der Streckeneinteilung und den Pausen hatte sich bewährt und wir behielten es bei. Das Ziel war nach 10:45 Stunden erreicht, wir hatten also noch Reserven.

Die Zuschauer an der Strecke tragen uns ins Ziel! Es gibt Stände, wo man sich mit den nötigen Dingen eindecken kann, z. B. Kaffee, Bananen, Apfeltaschen (Appelflap), gekühlte Getränke, viele kostenlose Angebote, beispielsweise gekochte Eier, Joghurt, Äpfel, Iso-Drinks, Tomaten, Gurken, Süßigkeiten, aber auch einfach nur Wasser. Es gibt immer irgendwelche Highlights, erwähnen möchte ich hier nur das Spiegeleibrot.

Am "Tag von Groesbeek" laufen die meisten Teilnehmer in grün, es ist nämlich der "Grüne Donnerstag". Neben der Strecke entdecken wir "Jubel-Markus", den wir bereits von verschiedenen Events kennen. Er wartet auf seine Frau, bejubelt während der Wartezeit die unzähligen Teilnehmer, die an ihm vorüberziehen. Eine kurze Begrüßung, ein kleiner Schnack, zwei, drei Fotos mit ihm, dann geht es für uns schon wieder weiter. Im Ziel sind wir heute nach knapp elf Stunden, haben also immer noch eine gute Stunde Reserve und Abstand zum Besenwagen.

Der "Orange Freitag" ist der "Tag von Cuijk". Bisher haben wir täglich jede Menge militärische Gruppen getroffen, uns mit denen unterhalten. Die Spanier waren unsere Campeones! Die Schweden wurden mit ihrer heimlichen Nationalhymne (Hej Pippi Langstrumpf) auf dem Kazoo begrüßt. Born in the USA gab es für die Amis, für die Franzosen die Marseillaise. So pushten wir uns selbst auch nach vorn. Es gab einige Geburtstagskinder, die mit dem passenden Lied bedacht wurden, alle waren lieb, haben uns gefeiert und sich für die Musik bedankt.

Durch Cuijk wurde geschoben, gesungen, gefeiert, getanzt und gelacht. Hinter der Stadt hatten deutsche und niederländische Truppen wieder eine Pontonbrücke aufgebaut, um die Waal trockenen Fußes überqueren zu können. Danach legten wir noch eine Pause ein, während tausende Teilnehmer an uns vorbeizogen. Dann ging es quasi zum Endspurt auf die "Via Gladiola", wo sich DIE Feiermeile befindet. In mehreren Reihen hintereinander stehen die Menschen hier direkt an der Strecke, die Musik kommt aus allen Richtungen, vom Band, live von der Band oder vom DJ.

Da das Gedränge hier sehr groß ist, hat man am letzten Tag sogar 13 Stunden Zeit, um das Ziel zu erreichen und auszuchecken. Wir schaffen es heute in elf Stunden.

Und nach dem Auschecken, der Ehrung mit einem königlichen Orden, einem Finisher-Getränk, dem Meet & Greet mit anderen Laufbuddies wird es Zeit, dass wir uns zu unserem Lieblings-Softeis-Stand begeben, denn das haben wir uns jetzt wirklich verdient!