Dänische Marathonstrecken neigen zur Boshaftigkeit (Aussage Klaus Bangert) und dänische Marathonläufer sind recht fit! Zu dieser Erkenntnis kommt man, wenn man ein paar verschiedene Marathonläufe in Dänemark unter die Laufschuhe genommen hat. Der Marathonlauf in Kolding ist vielleicht das Paradebeispiel dieser Art von dänischen Marathonläufen.

Im August 2019 fuhren Sabine „Schnegge“ Kühl (Alveslohe), Klaus Bangert (Bargfeld-Stegen) und Arne „Quentsch“ Franck (Kaltenkirchen) zum ersten Mal nach Kolding (Dänemark) zum dortigen Marathon. Eine recht hügelige Laufstrecke mit vielen schwierigen Trailabschnitten, sowie bis zu 27 Grad im Schatten sorgten für ein kleines „Debakel“ der drei 100 Marathon Club Deutschland Teilnehmer aus dem Flachland Schleswig-Holstein. Der Quentsch (5:48:18 Std.) und Sabine (7:28:15 Std.) brachten ihre langsamsten Marathonlaufzeiten in die ewige Statistik. Für Klaus (6:06:35 Std.) wurde es die damals drittlangsamste Marathonzeit ever.

Eigentlich beschlossen die drei Deutschen bereits während bzw. direkt nach dem Lauf 2019, dass man sich in Zukunft nie mehr bei dieser Veranstaltung zeigen wird. Doch besonders Klaus war dann doch sehr motiviert die langsame Zeit von 2019 zu verbessern. Also meldeten die Drei sich rechtzeitig für knapp 40 Euro für die Veranstaltung im August 2020 an.

Durch Corona fiel der Lauf im vergangenen Jahr leider aus und die drei Deutschen ließen ihre Anmeldung automatisch auf das Jahr 2021 weiterschieben. In den letzten Monaten dieses Jahres präsentierten sich die Drei nun relativ formschwach und Sabine zog zwei Wochen vor dem Lauf die Notbremse und überließ ihren Startplatz Renate Schaper aus Kaltenkirchen. Ohne Aufpreis kann man den Namen des Starters bei dieser dänischen Veranstaltung am Starttag noch ändern. Schaut man aber in die Ergebnisliste, dann hat dies trotz Abgabe eines gedruckten Zettels leider irgendwie nicht geklappt. (Zusatz: Ein paar Tage später wurde der Name dann doch noch, nach einer E-Mail von Quentsch an das Zeitmesssystem, in der Ergebnisliste korrigiert)   

Am 22.08.2021 startetet das deutsche Dreierläuferteam (Schaper/Bangert/Franck) und Quentsch Frau Christiane (wollte den Lauf als Fotografin mit dem Rad begleiten) um 6:30 Uhr ab Kaltenkirchen Richtung Kolding, der siebtgrößten Stadt Dänemarks mit etwas über 61200 Einwohnern. Kolding liegt ca. 250 km nördlich von Hamburg an der Ostsee am Kolding Fjord. Das markanteste Gebäude der Stadt ist Koldinghus. Koldinghus ist die letzte existierende königlich-dänische Burg. Die Burg war nach einem Brand im Jahr 1808 lange Zeit als Ruine eine Attraktion. Erst 1970 begannen die letzten Restaurierungsarbeiten an dem imposanten Gebäude mitten in Kolding an einem See.

Die Laufveranstaltung in Kolding, mit angebotenen Läufen über 5 km, 10 km, Halbmarathon, Marathon und 60 km, startet im Norden der Stadt am Gymnasium. Auf der Marathondistanz gibt es auf der einen Marathonrunde mit etwas Überlänge (43 km) nur sechs Verpflegungsstände. Becher sind dort Fehlanzeige, da Plastikmüll deutlich reduzieren werden soll. Also z.B. einen Trinkrucksack, eigenen Becher oder wie der Quentsch gleich eine volle 0,5 Liter Flasche Cola in einer Bauchtasche  mitnehmen und diese Flasche an den Verpflegungsständen wieder auffüllen.

Der Veranstalter war im Vorwege doch etwas betrübt. Waren 2019 für alle Läufe insgesamt 530 Anmeldungen eingegangen, so waren es in diesem Jahr trotz viel Werbung nur noch etwas über 200 Melder. Auf der Marathondistanz kamen 2019 noch 31 Läufer in Ziel, diesmal nur 21 (ein Läufer gab auf).

Um kurz nach 9 Uhr Ankunft am Startort. Startnummern abgeholt und angebracht und dann ging es um Punkt 10 Uhr los. Ruckzuck nahmen die Dänen wie immer Geschwindigkeit auf und die drei Deutschen lagen zusammen mit einer dänischen Läuferin schnell abgeschlagen auf den letzten vier Plätzen. Ein „Verspäter“ kam noch recht schnell „vorbeigeflogen“. Der Däne lief seinen ersten Marathon und wurde im späteren Rennverlauf vom Quentsch bei km 29 wieder überholt. Ein paar Kilometer weiter muss der Debütant dann aufgegeben haben, denn er erschien nicht im Ziel.

Sind die ersten Kilometer direkt in Kolding mit festem Untergrund noch relativ „normal“, so schickt der Veranstalter die Läufer ab ca. km 7 recht häufig in die „wilde“ Botanik. Eine wirklich naturschöne Strecke, die aber ständig hoch und runtergeht und sehr viele extrem kleine ungepflegte Pfade präsentiert. Man fragt sich bereits während des Laufes, wer sich so eine teilweise brutale Streckenführung ausgedacht hat. Läuft man mal ein Stück Straße, dann geht es aber schnell wieder auf kleinen Pfaden mit vielen Brennnesseln weiter. Bei ca. Kilometer 35 erreicht der Aktive eine alte Bahntrasse, die ist für die nächsten ca. 6 Kilometer ganz flach. Die letzten gut 2 km neben einem Golfplatz sind noch einmal extrem hügelig und teilweise sehr schwer zu laufen. Nach 43 Kilometer ist das Ziel endlich erreicht.

Eine wirklich zermürbende Streckenführung und von allen Quentsch bekannten dänischen Veranstaltungen sicherlich die mit dem höchstem Schwierigkeitsgrad. Dies merkte natürlich auch Quentsch Frau Christiane, die ihr Rad recht häufig bei den Steigungen und Gefälleabschnitten schieben musste und so den Läufern auf den vielen extrem schmalen Pfaden teilweise nur schwer folgen konnte. Ihr Fazit, nachdem sie auch noch irgendwo auf der Strecke ihren Radtacho verloren hatte: Einmal und nie wieder Kolding Marathon als Fotografin auf dem Rad!

Die drei deutschen Läufer profitierten sicherlich von der in diesem Jahr kühleren Temperatur von „nur“ bis zu 21 Grad bei schönem leicht bewölktem Himmel. Dem Quentsch gelang es mit 5:05:37 Stunden (Platz 16) eine weitere Hahn/Weber Zeit wegzuspielen. Vor dem Lauf hielt er das Wegspielen einer noch erforderlichen Hahn/Weber Zeit von unter 5:10 Stunden auf dieser schweren Strecke bei seiner momentanen Form für kaum möglich. Platz 15 verlor er noch direkt vor der Ziellinie, als ein bereits zwei Kilometer vor dem Ziel überholte und eigentlich längst abgehängter dänischer Läufer plötzlich wie aus dem Nichts wieder auftauchte und ihn übersprintete. Eine halbe Stunde nach dem Quentsch beendete Klaus Bangert seinen 434. Marathon/Ultra mit einer Endzeit von 5:35:46 Stunden auf Platz 19 und verbesserte somit (wie auch der Quentsch) seine 2019 Kolding Zeit sehr deutlich. Nur sieben Minuten nach Klaus überlief Kolding Debütantin Renate Schaper als letzte Läuferin auf Platz 21 die Ziellinie. Ihre Zeit von 5:42:45 Stunden bei ihrem 135. Marathon/Ultra kann sich für eine Läuferin der Altersklasse W65 jedoch wirklich sehen lassen.

Fazit:
Will man seinen Körper quälen, sollte man den Kolding Marathon wählen!
Extrem anspruchsvolle dänische Laufstrecke, die für das Auge viele schöne Abschnitte präsentiert. Die Laufrunde war mit unzähligen kleinen Drahtfahnen und weißen Farbpfeilen sehr gut markiert. Leider nur wenig Teilnehmer am Start, was aber doch irgendwie logisch ist, denn schnelle Laufzeiten sind in Kolding nicht möglich (Siegerzeit 4:10 Std.). Also mehr ein Marathonlauf für „Marathonallesläufer“. Mit ca. 40 Euro Startgebühr ist der Lauf nicht gerade günstig und mit nur sechs Verpflegungsständen auf 43 km, kann so ein Lauf im warmen August durchaus zu einem Problem werden. Duschen und WCs sind im Turnhallenkomplex für diese Teilnehmerzahl ausreichend vorhanden. Ein Zeitlimit gibt es bei dieser Veranstaltung anscheinend nicht. Irgendwelche Kilometerangaben sucht man auf der Laufstrecke vergeblich.

Alle Fotos von Christiane Franck

AF (Quentsch) Nr. 310 / Nr. 60 in Dänemark

 

 

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